hjg-kellinghusen
  Rückblick 2017
 

Neulich, so um halb Zwölf in Kellinghusen

 

Gähhhn…ich blicke auf die Uhr. Es ist 04:15 an einem Sonntagmorgen…und was da im Hintergrund Musik macht, ist der Wecker. Mein Wecker. Den habe ich, damit ich nicht verschlafe…aber heute ist Sonntag? Ich muss verrückt sein.

Ach ja. Ich bin Papa eines fußballbegeisterten Kindes in einer norddeutschen Kleinstadt, irgendwo zwischen den Meeren. Links ein Meer, rechts ein Meer und mittendrin dann gar nichts mehr. Die Stadt hat einen Namen. Kellinghusen. Und sie hat etwas Einmaliges.

Hier findet nämlich alljährlich das „HJG“ statt. Das ist ein Fußballturnier mit Begleitprogramm. Liebe Lilli Fee-Tanzkurs-Mamas…ein Fußballturnier ist die höchste Evolutionsstufe eines normalen Fußballfreundschaftsspiels. Also eine eigentlich völlig sinnbefreite Zusammenkunft, fußballbegeisterter Väter (und auch Mütter) mit Ihren kleinen bunt gekleideten Kampfmaschinen mit Stollenschuhen. Ok, in unserem Fall ist das Ganze dann nicht gar so sinnbefreit.

Denn das HJG heißt eigentlich „Hermann-Jürgens-Gedächtnis Turnier“ und wurde 1996 zu Ehren eben dieses Mannes, welcher sich 24 Jahre lang um den Verein verdient gemacht hat und 1996 auf dem Rückweg vom Sport unverschuldet tödlich verunglückte, ins Leben gerufen. So trifft man sich nun bereits zum 22. Mal am gleichen Ort und hält diese tolle Tradition am Leben. Im Gedenken an „Hermann Jürgens“ werden wir trotz traurigem Hintergrund, wie in jedem Jahr, viel Spaß haben.

Eine tolle Idee, die sportliche Versorgungslücke der noch nicht wahlberechtigten Bevölkerung mit Fußballschuhen in der Sommerspielpause zu füllen.

 

Tja…und ich Trottel…ich habe einmal nicht aufgepasst und mich freiwillig zum Frühstücksdienst gemeldet. So ist das auf dem flachen Land in Schleswig-Holstein…wenn man nicht gleich NEIN sagt, wird selbst ein leises Stöhnen und Seufzen als JA gewertet und man kommt aus der Nummer nie wieder raus!

Schön habe ich gedacht. Dann so gegen 9:00 mal vorbeischauen und den Kindern wahlweise Kuhsaft oder braunen Kuhsaft ausschenken. Irrtum sprach der Igel und hüpft von der Klobürste. Um 5:00 !!!! Uhr musste ich antreten! Seit nunmehr 3 Jahren schau ich dabei den Kindermuttis in die ebenfalls verschlafenen Augen.

Gähhhn…ich versuch mal meinen schlaftrunkenen Körper aus dem Bett zu rollen. Draußen zwitschern die Vögel. Schaaatziiii….mach die Vögel mal aus, dass nervt um 4:15 am Morgen.

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 Gestern, am Samstag, so um 12:30 Uhr hat das Turnier begonnen.

Der nicht enden wollende Strom von anreisenden Eltern mit Ihren hoffungsvollen Talenten überschwemmt das beschauliche Kellinghusen. Wie in jedem Jahr, beginnt der Stau bereits kurz hinter Hamburg. Aber das hält niemanden davon ab, uns zu besuchen.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen des VfL Kellinghusens dafür entschuldigen, dass wir zwar eine super gepflegte Spielanlage haben, es aber aus Kostengründen versäumen mussten, ein 6 Stockwerke hohes Parkhaus zu bauen, um es allen zu ermöglichen, direkt am Spielfeldrand zu parken.

Ja, es ist doof, wenn man in einer Kleinstadt versucht 350 Autos direkt am Stadioneingang zu parken. Aber ein paar Schritte mehr…das haben wir für die Gesundheit so geplant…tun doch nicht weh, oder?

Und wenn es gar nicht geht, gibt es da noch den roten Blitz (Rasenmähtraktor mit Anhänger) vom Platzwart. Der Platzwart ist der mit den Hörnern auf dem Kopf. Er bringt Gepäck, Kinder und Grill direkt vom Zaun bis zum Zelt. Aber bitte nicht füttern!

Ansonsten haben wir auch kein Problem mit anonymen Spenden in Millionenhöhe…so ein Parkhaus hätten wir schon gerne J

 

Üblicherweise beginnen wir die Veranstaltung mit einem kräftigen, aber kurzen Regenschauer. Es wird seitens des Orga-Teams keine Anstrengung unterlassen, ein für alle Zuschauer feucht fröhliches Spektakel zu organisieren. Nur in diesem Jahr, da hat das irgendwie nicht geklappt…was war da los?

Da stehen wir nun also als erfahrene Teilnehmer…mit dem Schirm unterm Arm…und schauen zu, wie unter strahlend blauem Himmel die Turn- und Tanzgruppe des VfL von und mit Martina Weiß den Einmarsch der 74 Mannschaften anführen.

Ach ja. Eine weitere Tradition dieses Turniers ist der kurzzeitige Ausfall der Beschallungsanlage.

Gott sei Dank! Wenigstens das hat dieses Jahr geklappt J.

 

Der in diesem Jahr schnelle und kurzweilige Aufmarsch endet wie üblich mit einem Grußwort an die Teilnehmer. Und dann auch noch das. Das kleine beschauliche Kellinghusen hat einen Bürgervorsteher…gehabt, eventuell.

Der arme Tropf möchte in Kürze heiraten und genau das wird ihm hier zum Verhängnis. Mitten aus dem Grußwort gerissen, geht es zum Junggesellenabschied und wie es sich gehört…mit der Raute im Herzen. So wird aus einem langweiligen Werder Bremen Fan nun ein „echter“ HSV-Fan…durch und durch!  

Um das Thema kurz zum Ende zu bringen. Unser Bürgervorsteher hat die geplante Tour, so munkelt man, nur zu 1/3 geschafft und musste dann orientierungslos aufgeben.

Ich vermute auch, dass er auf dem Nachhauseweg mit dem Fahrrad umgekippt ist…warum? Er ist doch jetzt ein HSV-Fan und die können nicht absteigen!

Aber er wird in den nächsten Tagen wohl wieder zu sich kommen, sagen die Ärzte. Habt Ihr ihm eigentlich schon erzählt, dass er für eine Dauerkarte in der Nordkurve unterschrieben hat?!

 

Aber eigentlich wollte ich ja schreiben, dass es in diesem Jahr keinen Regen gab. Dafür scheint die Sonne gefühlt 19 Stunden bei 35 Grad.

Auf jedem Fall habe ich mich vorschriftsmäßig mit Lichtschutzfaktor 50 eingecremt…ich!

Nicht die Anderen!

So wird man sich noch Tage lang in Kellinghusen am Sonnenbrand im Gesicht als HJG-Besucher outen. In diesem Sinne, Gruß an die Nachbarn und Scheiße aussehen für alle!

Oh man, wenn ich nicht so eine erotikneutrale Körperhülle hätte, könnt ich glatt mit freiem Oberkörper die Bräune einfangen...mach ich aber nicht. Haben die mir verboten, wegen den Kindern und so.

 

Nun soll es aber losgehen. Die Zelte sind auf dem großen Zeltplatz aufgebaut und die Kinder schon ganz nervös. Auf bis zu 7 Plätzen spielen Jugendmannschaften der G bis D Jugend plus den Bambinis gegeneinander den Turniersieg aus. Das sind fast 900 Kinder!

 

Zwischen den mit jeweils 10 Minuten angesetzten Spielen, die dank einer straffen und durchaus sinnvoll organisierten Zeitplanung super ablaufen werden, gibt es dann aber auch genug Zeit für die schönen Dinge des Turniers. Zum Beispiel der Besuch im Saniwagen…ähh…nein, das meinte ich nicht.

 

Ich war zwar nicht dabei, aber nach dem ersten Turnier muss sich jemand gedacht haben…so ein Turnier funktioniert...Ok…die Straßenverkehrsordnung funktioniert auch, aber mit Bier wird es vielleicht lustiger.

So hat man also allerhand aufgefahren für die geneigten Verdauungsorgane und Sensoriken der Besucher.

Ich wollte sagen, es ist Zeit über die Fressmeile des Turniers, zwischen den Spielplätzen gelegen, zu flanieren und dem leiblichen Wohl zu frönen.

Da kann man sich zum Beispiel bei den „Drei von der Kaffeebude“ selbstgebackenen Muttikuchen zu liebevoll handgeklöppelten Kaffee abholen.

Oder es zieht die Herren der Schöpfung erst an den Currywurstpommeswagen und dann zum Bierpilz mit den Hopfenkaltschalen…ein wenig Schatten hat uns an diesem Wochenende gut getan.

JaaaaJaaaa…gesundheitskompatibles Wasser (Der Salat unter den Getränken) gab es auch…habe ich gehört.

 

Und damit die Kleinen in der Spielpause auch was zu tun haben, gibt es das große Tombola-Zelt. Wie jedes Jahr ist dieses Zelt sehr gut gefüllt und mit gefühlt 400 Gewinnen ein Kindermagnet…und wie jedes Jahr, sind die Lose um 13:47 ausverkauft. Kein Wunder, wenn man selbst Nieten in Gewinne umtauschen kann. Und auch wenn es hier im nächsten Jahr 500 Gewinne geben würde, wird der Ausverkauf nur um 15 Minuten herausgezögert J

 

Natürlich gab es auch Eis, Süßes oder Steak im Brötchen…aber das erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, denn mit Kaffeewagen und Bierpilz ist für mich alles gesagt.

 

Um uns herum spielen die Kinder also den ganzen Tag im 10-Minuten Takt Fußball. Die Bambinis werden heute sogar fertig und bekommen zugleich Ihre Pokale.

 

Nicht das jemand denkt, dass 6-7 Spiele an diesem Tag die Kinder in irgendeiner Weise tangieren!

Am Abend, wenn die Fütterungen (Nudeln und Tomatensauce) in der Vereinshalle durch sind, spielen die laufenden Meter einfach weiter. Bis spät in die Nacht, sind die Kinder noch am toben…kann man die denn nicht abstellen?

 

Egal. Viele von uns Grillen auf dem Zeltplatz. Und ja, es wird auch mal etwas getrunken…habe ich gehört.

Erstaunlich ist es aber, dass mir die Menschen, die abends als letztes ins Zelt fallen am folgenden Sonntagmorgen als erstes begegnen, wenn ich auf dem Weg zum Frühstücksdienst bin.

 

Überhaupt, der Zeltplatz!

Ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit…“LOL“…von wegen. Hier wird getobt, gegessen, gespielt, geschimpft…ach was…hier tobt das Leben hier steppt der Bär.

Vor allem gegrillt wird hier gerne…für mich bitte nur Fleisch und keinen Tofu-Bratling mit Bachblütensenf. Und vergesst die Beilagen, die sind überbewertet und machen zu schnell satt.

Trotzdem schleppen Sie wieder Tonnen von Salaten ans Buffet…denkt denn keiner an die armen Hasen die jetzt hungern müssen?

 

Getreu dem Motto „Nichts ist wirklich weg, es ist nur woanders“ wird auch schon mal Müll und Asche hinter dem Zaun entsorgt…lasst das bitte…es ist trocken und Feuer und Ungeziefer machen sich nicht so gut auf dem Zeltplatz. Auch der Knick kann noch keinen Abfall in Wertstoff verwandeln.

 

Und wenn es dann dunkel wird und langsam etwas Ruhe (mal abgesehen von den Schnarchern) einkehrt…dann kommt Sie. Die NaNa-Frau. Da läuft (den Namen darf ich nicht sagen…ich habe Angst um meine Gesundheit) „die Frau“ über den Zeltplatz und sagt ab und zu „NaNa…das dürft ihr hier aber nicht!“ 

Och wie schön doch Traditionen sind J

Sie ist es dann auch, die die letzten orientierungs- und willenlosen in irgendwelche Zelte legt…gute Nacht!

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Ja, ich habe es geschafft und bin um 5:00 zum Frühstücksdienst erschienen…zumindest körperlich anwesend. Und weil Frauen manchmal gemein zu Männern sind, muss ich den Damen erstmal Heißgetränke beschaffen. Tee zum Beispiel…was Roibusch..was? Männer kennen nur Pfefferminz- und Kamillentee. Oh man…ja, einen Kakao und Kaffee mit nur einem Spritzer laktosefreier H-Milch kommt auch. Die machen das doch mit Absicht…ich bringe also 4 Kaffee schwarz und basta!

 

Die Sonne scheint um diese Zeit noch nicht, aber es ist hell. Das hilft mir, die Gedanken an mein armes, warmes Bett zu unterdrücken. Jetzt wird das Frühstück vorbereitet. Immerhin wollen 40 Kg Wurst und Käse, 1.300 Brötchen und 50 L Kaffee vorbereitet werden.

 

Und dann kommen sie und sie sind unerbittlich. Hungrige Kinder auf dem Weg zur Weltherrschaft der Müsli- und Nutella-Brüderschaft. Sie kommen, saugen alles in sich rein um es zu verdauen und dann über dem Lokus wie ein 3-D Drucker wieder in den Kreislauf des Lebens zu entlassen. WOW…was die wegschaffen. Zwischendrin erkannt man auch hin- und wieder ein paar Eltern, die um Essen bettelnd von den Kindern…nur kurz…an die Futterkrippe gelassen werden.

Meine Nachbarin knetet mir die Eierverpackungen weich, um diese dann zu lecker Rührei zu verarbeiten.

Und wehe wenn alle weg sind…dann kommt der Besenwagen und muss erstmal den jetzt weichen Bodenbelag aufnehmen, damit man das Linoleum wieder sehen kann. Es scheint, als essen die Kinder ihr Frühstück halb- und halb…halb im Mund, halb auf der Hose.

Geschafft…eine Raubtierfütterung wäre nicht ungefährlicher.

 

Lange Gesichter, Regenschauer, doofe Schiris und pöbelnde Eltern…das gab es auch heute nicht.

Vielmehr sehen wir viele glückliche Kinder (manchmal, je nach Ergebnis auch nicht ganz so glücklich) und einen blauen Himmel.

An dieser Stelle wie immer ein großes Daaaaankeschöööön an alle, die hier in Ihrer Freizeit mithelfen, dieses bestimmt schon 15 Mal totgesagte Turnier Jahr für Jahr wieder auf die Beine zu stellen. Ohne diese Menschen, würden wir heute keinen Spaß in Kellinghusen, der Fußballhauptstadt zwischen den Meeren haben. Auf der anderen Seite hätten wir dann aber einen Bürgervorsteher, der sich bester Gesundheit erfreuen würde. Ja, Politiker…ein mahnendes Beispiel für die Jugend.

 

Es kommt wie es kommt. Am Ende stehen Sieger fest und sammeln viele Pokale ein.

Auch wenn ich nicht auf die einzelnen Spiele eingegangen bin, es gab viele. Immer mit zwei Mannschaften auf grünem Rasen und einem Ball, der war rund und ein Spiel dauerte 10 Minuten. Aber bei gut 380 Spielen würde das hier den Rahmen sprengen. Die Ergebnisse gibt es aber dennoch zu lesen…irgendwo auf der Homepage des HJG.

 

Und dabei fällt mir noch eine wunderbare technische Neuerung des 21. Jahrhunderts auf. Die Spielergebnisse werden sehr zeitnah per Strompost online gestellt. Damit wissen wir jederzeit wo wir stehen und wie die Spiele ausgegangen sind. Super Sache sowas. Damit entfällt dann auch das Rätselraten um die Ergebnisse und Tabellenplätze.

 

Ach wie schön es wieder war.

Was? Zelte abbauen?

Aufräumen?…verdammt…Saniiiii…mein Rücken! Nicht schon wieder…das hatte ich doch schon letztes Jahr L

 

Ich freue mich auf 2018 in Kellinghusen...auch wenn ich wieder vor 5:00 Uhr aufstehen muss…und nu, Kopf aua, ab ins Bett.

 

 

Moin, der Schmierfink

 
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